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Kubanische Impressionen

Die meisten Kuba-Touristen unternehmen eine All-Inclusive-Pauschalreise in die touristischen Zentren der Insel und sehen ansonsten herzlich wenig von ihr. So wollten wir nicht sein, auch wenn wir unsere Reise als Pauschalpaket gebucht hatten und unser Hotel am wunderschönen Sandstrand von Varadero lag. Doch Varadero sollte für uns nur Ausgangspunkt zu Ausflügen auf der Insel sein. Das war, bevor wir uns über die Zustände der Straßen auf Kuba im Klaren waren.

Ein erster Ausflug führte uns mit dem Viazul-Linienbus von Varadero aus in die Hauptstadt Havanna. Schon am ersten Haltepunkt des Busses – der ausschließlich mit Touristen besetzt war – erwarteten zahlreiche junge Kubaner die Passagiere um sich als private Reiseführer und Chauffeure aufzudrängen und so die bei den Einheimischen begehrten Pesos Convertibles zu verdienen, die „Zweitwährung“ der Insel, die wesentlich mehr Wert hat als die eigentlichen Pesos. Auch wir ließen uns auf einen jungen Kubaner ein, der mit uns eine Stadtrundfahrt unternahm und dabei unter anderem am Malecon entlang fuhr, der bekannten Hafenpromenade Havannas, wo ab und zu auch mal hohe Wellen bis auf die Straße schwappen. Schon hier sah man deutlich den Verfall und die Armut in Fidel Castros sozialistischem Paradies, wo viele Menschen in halb eingestürzten Häusern lebten und sowohl Geld als auch Baumaterial für Renovierungen fehlte.

Das gleiche Bild präsentierte sich auch in der Innenstadt, wo einige hübsch restaurierte Häuser zwischen den vielen tristen Ruinen herausstechen und nur wenige Ecken an das legendäre Havanna von früher erinnern, als sich amerikanischer und europäischer Jetset in den großen Hotels zum Feiern trafen und Ernest Hemingway Dauergast in heute noch existierenden Bars wie dem Floridita war. Nach einem Bummel durch die koloniale Altstadt Habana Viejo besuchten wir das Museo de la Revolucion, das passenderweise im alten Präsidentenpalast des gestürzten Diktaroren Batista untergebracht ist und die erfolgreiche Revolution von Castro und seinem zum Helden verklärten Helfer Che Guevara dokumentiert.

Kubanische Impressionen

Kubanische Impressionen ©iStockphoto/Daniel Loiselle

Ursprünglich hatten wir geplant, mit einem Mietwagen über die Insel in die Weltkulturerbestadt Trinidad im Süden zu fahren und auf dem Rückweg noch einen Stop in Santa Clara einzulegen, dem Ort an dem Che Guevara seine größte Stunde erlebte und später auch bestattet wurde. Doch schon die Tour nach Havanna hatte uns umdenken lassen und so mieteten wir lieber für einen Tag ein Taxi samt Fahrer, statt uns den kubanischen Straßen anzuvertrauen – eine weise Entscheidung, denn Straßenschilder sind in Kuba Mangelware. Ebenso wie Straßen, denn teilweise handelte es sich um bessere Feldwege und oft genug ging es nur im Schritttempo vorwärts, wenn vor uns ein Ochsenkarren zuckelte. Kein Wunder, dass der Taxifahrer schon morgens in Varadero gesagt hatte, dass es entweder Santa Clara oder Trinidad sein könne, aber nicht beides!

So hatten wir uns für das malerische Trinidad entschieden, ein perfekt restauriertes Kolonialstädtchen aus dem 19.Jahrhundert mit bunt bemalten Häusern und schmiedeeisernen Balkons, wie man es sonst nur aus Filmen kennt. Auch ein Abstecher ins hübsche Cienfuegos, wo die reichen Besitzer der umliegenden Zuckerrohrplantagen ihre feinen Villen erbauten, war so gerade noch möglich, ehe wir uns wieder auf die lange Rückfahrt machen mussten. Mehr noch als der Besuch von Trinidad lohnte sich diese Tour jedoch wegen der Eindrücke des „normalen“ kubanischen Lebens jenseits der Touristenzentren, die wir auf diese Weise gewinnen konnten.

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