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Das Zigarrenfestival in Havanna

Vorletzte und letzte Woche, genauer gesagt vom 26. Februar bis zum 1. März herrschte teilweise dicke Luft in bzw. über der kubanischen Hauptstadt Havanna. Nicht etwa, dass es anlässlich der kürzlich erfolgten Wahlen oder wegen der neuen Reisepassregelungen auf der Karibikinsel Probleme und interne Unstimmigkeiten gegeben hätte, sondern aus einem viel profaneren, jedoch auch sehr geschmackvollen Grund.

In dieser Zeit ging nämlich das 15. internationale Zigarrenfestival in Havanna über die Bühne, während dem ganz sicherlich mehr als sonst schon üblich das ein oder andere Exemplar der Sorten Bolívar, Cuaba, Cohiba, Hoyo de Monterrey, Diplomático, Partágas, Rey del Mundo, Montecristo und Fonseca erst in Glut und dann in Rauch und Asche aufging.

Kenner und Genießer unter sich im Rauch vereint

Dieses mittlerweile weltweit geachtete und größte sowie schon traditionelle Treffen der einschlägigen und anspruchsvollen Connaisseurs der in fast allen Durchmessern gerollten Tabakblätter der Insel war nach Meinung aller Teilnehmer mal wieder ein perfekt organisiertes, interessantes, unterhaltsames und kurzweiliges Vergnügen. In den hauptstädtischen Filialen der weltweit tätigen kubanischen Kette „La Casa del Habano“ im Hotel PALCO, Hotel Melia Habana, Hotel Nacional, Partagás, Hostal Condes de Villanueva, Hotel Habana Libre, Club Habana und im Hotel Melia Cohiba drehte sich vier Tage lang alles um die Zigarre und ihre Kultur. Neuvorstellungen von Produkten, Musikdarbietungen, prominente Gäste, Exkursionen und leidenschaftliche Versteigerungen edler Humidors bildeten zusammen ein harmonisch abgestimmtes und auch für die nächsten Jahre vielversprechendes Programm.

Kubanische Zigarren

Kubanische Zigarren @iStockphoto/Andrey Priyatkin

Partagás und Omara waren der Stars des Abends

Höhepunkt der Zusammenkunft war natürlich wie jedes Jahr die Galanacht zum krönenden Abschluss des Festivals am Samstag den 2. März im modernen und 20 000 m² großen Veranstaltungszentrum „Pabexpo“. Dort hatte man keine Kosten und Mühen gescheut und die Räumlichkeiten nahezu verschwenderisch und ganz zu Ehren der Partágas-Zigarren dekoriert, so wurde auch das erste Mal die „Partagás Lusitanias Gran Reserva Consecha 2007“ dem interessierten Publikum vorgestellt. Musikalischer Stargast des Abends war sicherlich die sehr beeindruckende Sängerin Omara Portunondo, die als Grand Dame des kubanischen Son und Mitglied des „Buena Vista Social Club“ inzwischen Weltruhm besitzt.

Boris Becker bewundert Behike

Ihre Darbietung wurde auch von den anwesenden Prominenten wie dem US-amerikanischen Schauspieler Danny Glover („Lethal Weapon“) und dem ehemaligen deutschen Tennisstar Boris Becker sehr goutiert, der Letztgenannte genoss auch sichtlich seine Cohiba Behike, zog sich jedoch schon früh zurück. Bei der anschließenden Versteigerung („Subasta“) von insgesamt sieben verschiedenen, jedoch durchweg hochklassigen Humidors wurde 1 Million Dollar erzielt, einer der in liebevoller und sorgfältiger Handarbeit gefertigten Zigarrenschränke ging sogar nach Deutschland.

Zu Ehren der Tabakpflücker

Doch nicht nur die Gala sorgte allerseits für zufriedene Gesichter bei Gastgebern und Gästen gleichermaßen, auch die vorher gegangenen Tage waren für die Besucher aus nah und fern mit allerlei sehenswerten Attraktionen und Stationen prall gefüllt. Die Besichtigung der Habanos-Manufaktur von Partagás mit ihrem täglichen Ausstoß von bis zu 28 000 Zigarren am Freitag den 1. März war dabei mindestens ebenso informativ wie die „Noche de Vegueros“ am Donnerstag den 28. Februar, bei der die drei gänzlich neuen Formate „Entretiempos“, „Tapado“ und „Manañitas“ der nach den Tabakpflückern von Pinar del Rio benannten Marke vorgestellt und reichlich verkostet wurden.

Viel Neues zu sehen und zu schmecken

Am gleichen Tag fand auch die Habanos-Messe im „Palacio de las Convenciones“ statt, wo sämtliche neuen Formate für das Jahr 2013 aufwendig präsentiert wurden. Kenner können sich also auf einige Neuheiten freuen, dazu gehören etwa die Bolivar „Libertador“, die H. Upmann „Connossieur A“, die Romeo y Julieta „Romeo de Luxe / Edición Limitada 2013“, die Punch „Seie D´Oro“, die Hoyo de Monterrey „Grand Epicure“, die Habanos „Colleccion 2013 Partagás“ sowie die „Petit No. 2“ und die „Double Edmundo“ von Montecristo.

Pinar del Rio: Wo Aromen geduldig gepflegt werden

In die bekannte Tabakprovinz Pinar del Rio ganz im Westen der Insel, von wo etwa 80 % der kubanischen Tabakproduktion stammt, führte auch die schon obligatorische Exkursion am Mittwoch, den 27. Februar. Die Besichtigung der Felder, Trockenhäuser und der Tabakfabrik in San Luis war für alle Teilnehmer trotz der frühen Anreise und relativ langen Fahrt ein unvergessliches Erlebnis. Gleich zu Beginn des Festivals, am Dienstag den 26. Februar wurde die Aficionados des blauen Dunstes erneut Zeuge des unvergleichlichen, aber stets sehr charmanten kubanischen Improvisationstalents.

Landpartie mit Spanferkel und Mojito

Statt der vorher angekündigten Bootstour an den Strand des bekannten Art Deco-Resorts Tarará fuhr kurzerhand der so getaufte „Smokers Train“ von Havanna nach Jaruco in der kubanischen Provinz Mayabeque, während der lustigen Fahrt genossen die Mitfahrer nicht nur die vorbei ziehenden tropischen Landschaften, sondern auch den ein oder anderen Cuba Libre und Mojito. Nach einem herzhaften Mittagessen mit frisch zubereitetem Spanferkel und der Rückkehr nach Havanna fand die gute Stimmung auf der abendlichen Feier auf der Festung „El Morro“ ihre Fortsetzung, dort wurden bereits die weiter oben bereits erwähnten Formate von Montecristo, „Petit No.2“ und „Double Edmundo“ gereicht.

Gut Ding will Weile haben

Das 1999 erstmals zelebrierte „Habano Festival“ hat auch dieses Jahr wieder alle Erwartungen der Gäste erfüllt und deren Geschmacksnerven mit interessanten Neuentwicklungen befriedigt. Zwar ist es, wie man es nunmal aus der Vergangenheit bereits mit anderen neuen Produkten bereits kennt, nicht ganz und gar vorhersagbar, wann genau welches neue Format welcher Marke auch in Deutschland und Europa problemlos erhältlich sein wird. Zum einen scheint sich jedoch Deutschland nach Frankreich zum immer wichtigeren und damit auch zu pflegenden Absatzmarkt zu entwickeln, zum anderen wissen Zigarrenfreunde als ausgesprochene Genussmenschen ja auch, dass man auf wirklich Gutes manchmal eben etwas länger warten muss.

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