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Scam und Betrugsmaschen in Kuba

Kuba boomt – jedenfalls, was den Tourismus angeht. Das ist kein Wunder, denn karibisches Feeling gibt es nirgends so authentisch wie auf der Insel Fidel Castros und der Revolutions-Legende Che Guevara. Was auf Kuba jedoch auch boomt, sind die kleinen und größeren Abzockereien und Betrugsmaschen, verniedlichend „Inventos“ genannt. Wer ein gesundes Maß an Vorsicht walten lässt, kann jedoch ohne Probleme einen Sonnenurlaub auf der Karibikinsel genießen, denn Kuba ist aller „Inventos“ zum Trotz ein ausgesprochen sicheres Reiseland. Die Kriminalitätsstatistik weist für die Insel eine geringere Verbrechensrate aus als für viele westeuropäische Staaten. Gewalt gegen Touristen ist sogar ein nahezu unbekanntes Phänomen. Umso wichtiger ist es jedoch, die sagenumwobenen „Inventos“ zu beleuchten, um damit gut vorbereitet in die schönsten Wochen des Jahres unter karibischer Sonne zu starten.

Die Masche mit dem Zigarrenfest

„Haben Sie schon von dem Zigarrenfest gehört?“, fragt der Einheimische Sie freudestrahlend, als Sie durch eine der wunderbaren Gassen von Havannas Altstadt schlendern. Nein? So ein Zufall – denn gerade eine Ecke weiter geht es gleich los. natürlich können Sie eine Cohiba sofort auf der Straße kaufen. Das Problem ist: Auf ganz Kuba finden keine Zigarrenfeste statt. Zigarren kann man auch nicht regulär auf der Straße kaufen, sondern ausschließlich in lizensierten Geschäften. Der freundliche Einheimische verkauft auch keine der legendären Cohibas, sondern billige Ramschware mit fragwürdigem Inhalt unter dem Deckblatt. Und das natürlich zu einem gesalzenen Preis. Die einzig richtige Reaktion ist ein freundliches „No, gracias“.

Scam auf Kuba

Scam auf Kuba ©iStockphoto/igor_kell

Das Phänomen, dass in den touristischen Hochburgen an jeder Ecke Waren und Dienstleistungen über die Straße angeboten werden, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Zwar boomt der Tourismus. Dieser Boom kommt jedoch noch lange nich bei der Bevölkerung an. Und seit auf Kuba zwei Währungen parallele Währungen existieren, der frei konvertierbare CUC neben dem kubanischen Peso CUP, lohnt es sich, für die Einheimischen, die kargen Löhne und Renten mit ein paar CUCs aufzustocken. Immerhin sind ist ein CUC so wertvoll wie westliche Devisen.

Das Salsa-Festival

Sie ahnen es schon: Der glückliche Zufall treibt Sie nur ein paar Ecken weiter in die Hände eines anderen Cubaners, der Sie freundlich auf das heutige Salsa-Festival hinweist. Gleich hier um die Ecke geht es los. Natürlich findet auch kein Salsa-Festival statt. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Sie in einer Tanzschule oder einer Bar landen. Gegen ein paar Scheine können Sie dort sogar wahrscheinlich einige Tanzschritte lernen und einen schönen Nachmittag oder Abend verbringen, während sich Ihr Kontakt über eine Provision freut. Eine freundliche Ablehnung ist aber vermutlich die sinnvollere Reaktion.

Diese Anbahner, Jineteros genannt, haben sich darauf spezialisiert, Touristen mit phantasievollen Geschichten einzusammeln und gegen eine Provision an Betreiber von Bars, Tanzlokalen oder anderem weiterzuvermitteln. Dabei ist das Risiko, das man als Tourist eingeht, zwar überschaubar, denn mehr als eine schlechte Zigarre gegen einen zu hohen Preis, eine überteuerte Tanzstunde oder eine zu hohe Zeche hat man kaum zu riskieren. Ärgerlich ist es jedoch allemal – und leicht zu verhindern, wenn man sich die Maschen der Jinteros vor Augen führt.

Die Taxi-Masche

Deutlich ärgerlicher und auch teurer ist die Masche mit dem Taxi. Fake-Taxis auf Kuba sehen auf den ersten Blick aus wie offizielle Taxis. Oft handelt es sich auch um offizielle Taxis, aus denen heraus einem eine Einladung zu einer Fahrt für einen schmalen Taler angeboten wird. Bei 33 Grad im Schatten kommt eine solche Einladung im Zweifel nicht ungelegen. Die Sache hat natürlich einen Haken: Ein kurzer Trip um die Ecke kann dann mal schnell so viel kosten wie eine längere Überlandfahrt zum Flughafen. Es ist daher immer ratsam, entweder den Preis für die Fahrt bis zum Ziel fix zu vereinbaren oder darauf zu bestehen, dass das Taxameter läuft. Wenn kein Taxameter vorhanden ist, dann spricht ohnehin alles dagegen, in das „Taxi“ zu steigen. Denn mit rechten Dingen geht es dann auf keinen Fall zu.

Die Sache mit dem Restaurant-Geheimtipp

Bei Taxifahrern beliebt – und das trifft bei weitem nicht nur auf Kuba zu – ist die Masche mit dem Geheimtipp für ein Restaurant. Das funktioniert ganz ähnlich wie das Zigarren- oder Salsa-Festival. Der Fahrer betreibt ein Wenig Smalltalk und hat plötzlich eine Eingebung: Gleich hier um die Ecke ist ein ganz wunderbares Lokal beziehungsweise eine großartige Bar. Ein echter Geheimtipp, noch in keinem Reiseführer zu finden, aber schon im kommenden Jahr wird sich das ändern.

Der Fahrer selbst kassiert eine Provision für jeden Gast, den er dem Geheimtipp zugeführt hat. Drinnen erwarten die hungrigen Urlauber jedoch keineswegs ausgefallene Cocktails und Gaumenfreunden, sondern lediglich eine überhöhte Barrechnung und ein im besten Fall mittelmäßiger Service. Wer tatsächlich auf einen gastronomischen Geheimtipp aus ist, sollte vorher die bekannten Bewertungsportale checken oder ein Auge darauf haben, wo sich die Einheimischen treffen. Das mag dann unter Umständen ebenfalls abenteuerlich werden, aber ein selbstentdeckter Geheimtipp ist es allemal.

Die Nummer mit der Babymilch

Bei dem Trick mit der Babymilch wird Sie eine junge oder sehr junge Mutter mit einem Baby auf dem Arm ansprechen und Sie darum bitten, für das Baby im Geschäft nebenan etwas Milch zu kaufen. Die Masche ist zwar in vielen Ländern verbreitet, in Kuba jedoch immer ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl, dass es sich um einen Betrug handelt. Wahrscheinlich wird die junge Frau die Milch dankbar annehmen und gleich darauf an den Laden zurückverkaufen. In Kuba ist es nämlich so, dass der Staat noch immer Milch für Kinder bis zum neunten Lebensjahr kostenlos zur Verfügung stellt. Daher gibt es keinen Grund, um Milch für Kinder zu betteln. Es mag nun sicher hart erscheinen, in diesem Zusammenhang von Betrug zu sprechen, denn schließlich wird es die wirtschaftliche Not sein, weswegen die Mutter Sie anspricht. Es spricht auch nichts dagegen, sich erweichen zu lassen und die paar Münzen zu investieren. Man sollte jedoch wissen, worauf man sich einlässt und mit diesem Wissen selbst entscheiden. Richtig problematisch wird die Masche jedoch, wenn sich der Ladenbetreiber und die junge Frau die Beute teilen und daher richtig Kasse machen wollen. Dann ist nämlich im Laden bereits eine Tüte vorbereitet und gepackt, die schnell mal 20 bis 30 Dollar kosten kann.

Das Ding mit dem Wechselgeld

Unseriöse Händler versuchen es immer wieder: Man hat sich gerade über die Kaufsache und den Preis geeinigt, doch dann: leider, leider hat der Gegenüber gerade kein Wechselgeld mehr in der Kasse, man könne ja aufrunden. Fallen Sie nicht auf diesem plumpen Trick rein. Es gibt zwei Möglichkeiten, um diesen Betrugsversuch einfach abzuwehren: Entweder verzichtet an auf den Kauf. Schon die Ankündigung, man würde später am Tag mit einem passenden Betrag wiederkommen, wird dazu führen, dass der Händler plötzlich doch noch das nötige Wechselgeld findet. Die andere Möglichkeit: Bieten Sie an, im Laden nebenan rasch Geld wechseln zu gehen. Sie werden sehen, dass auch in diesem Fall wie durch ein Wunder genug Wechselgeld gefunden werden wird.

CUC versus CUP

Die beiden auf Kuba verbreiteten Währungen, der CUC und der CUP, laden regelrecht zu der einen oder anderen Schummelei ein. Doch wer bescheid weiß, muss nicht darauf reinfallen. Touristen bezahlen in der Regel in der frei konvertierbaren Währung CUC. Das hat den Vorteil, dass man gegen diese Währung alle Waren bekommt die man haben möchte. Der Nachteil ist, dass die Preise und Wechselkurse etwas nachteiliger ausfallen. Auf der Straße und vor Geschäften und insbesondere bei Cafés werden Ihnen Einheimische gelegentlich das Angebot unterbreiten, den Kauf mit der staatlichen Währung CUP für Sie zu erledigen. Doch Vorsicht: Zu sparen gibt es bei diesen Deals nichts. Im Gegenteil. Der Wechselkurs von CUC zu CUP, den Sie auf der Straße erhalten, ist oftmals so ungünstig, dass eine Tasse Kaffee am Ende statt einem Dollar schnell mal sechs oder acht Dollar kosten kann.

Der freundliche Einheimische

Die Menschen auf Kuba sind in aller Regel tatsächlich freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Umso schwieriger kann es manchmal sein, ein freundliches Angebot von einer Masche zu unterscheiden. Der Mann, der Sie anspricht und ein paar Sehenswürdigkeiten zeigen will, kann unter Umständen extrovertiert und nett sein. Wahrscheinlicher ist es doch aber, dass Sie am Ende der privaten Tour für eine Stadtrundfahrt zur Kasse gebeten werden. Hier hilft der gesunde Menschenverstand. Auch die Kubaner sind hart arbeitende Menschen und niemand hat Zeit, mal eben spontan eine Stadtführung für Touristen zu machen. Hinter solchen Angeboten steckt natürlich immer das Kalkül, am Ende Geld zu verdienen. Wenn Sie sich auf persönliche Führung dieser Art einlassen wollen, spricht sicher nichts dagegen. Sprechen Sie jedoch mit ihrem Führer vorab die Konditionen ab, damit es am Ende keine böse Überraschung gibt.

Umsicht vermeidet Sorgen

All diese Beispiele von Betrug und Mogeleien sollen natürlich nicht den Blick darauf verstellen, dass Kuba ein großartiges Reiseland ist, das einmalige Erlebnisse garantiert. Kuba ist so offenherzig und freundlich, wie die Prospekte der Reiseanbieter versprechen. Es gilt auf Reisen nach Kuba, was an jedem anderen Ort auch zu empfehlen ist: Augen auf und ein wenig Umsicht schaden nie. Vergleichen Sie Preise, kontrollieren Sie Ihre Rechnung in den Bars und sprechen Sie mögliche Missverständnisse sofort höflich aber entschlossen an. Dann wird eine Reise auf die Karibikinsel auch in bester Erinnerung bleiben.

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